4 (für Belgien) : 1 (für die Politik

(für Belgien) :1 (für die Politik)

Als ich gestern Abend die erste Meldung über die FIFA-Entscheidung hörte, konnte ich es kaum glauben: Der US-Stürmer Folarin Balogun war wegen einer Roten Karte für das WM-Achtelfinale gegen Belgien gesperrt worden – doch kurz vor dem Spiel setzte die FIFA die Sperre überraschend zur Bewährung aus. Balogun durfte spielen. Der US-Präsident Donald Trump bestätigte selbst den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino angerufen und ihn um eine Überprüfung der Sperre gebeten zu haben. Als Gelegenheitsfußballfanin (nur wenn Österreich es eventuell in ein bedeutsames Spiel schafft) war sogar mir sofort klar: Das ist eine Katastrophe für den Geist des Fußballs.

Kurz zuvor war ich noch durch die Straßen meiner Wahlheimat in Deutschland gefahren und hatte mich an den unterschiedlichen Nationalflaggen, die aus den Fenstern hängen, erfreut. Ich dachte so bei mir: „Wie schön, dass ein friedliches Ereignis Menschen weltweit gedanklich miteinader verbindet. Nicht alle fiebern für dieselbe Mannschaft, aber alle fiebern für dieselbe Sache – quer durch alle sozialen Schichten und politischen Lager. Diese weltweite Massentauglichkeit ist einzigartig. Schon erstaunlich, was der Fußball über all die Jahrzehnte geschafft hat.“

Die Reaktionen auf die Aufhebung der Sperre ließen nicht lange auf sich warten: Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter fragte öffentlich „Quo vadis, FIFA?“, DFB-Präsident Bernd Neuendorf forderte Aufklärung, und Jürgen Klopp wurde deutlich: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“ Auch international war der Aufschrei groß.

Dabei hätten die USA die Möglichkeit gehabt, selbst ein Zeichen zu setzen: Die FIFA-Entscheidung machte Balogun lediglich spielberechtigt, verpflichtete Trainer Pochettino aber zu nichts. Ein freiwilliger Verzicht auf ihn wäre ein starkes Signal gewesen. Doch die USA entschieden sich fürs Gegenteil: Balogun wurde aufgestellt und beim Einlaufen sogar besonders gefeiert.
Der Rest ist Geschichte: Die USA schieden trotz allem noch in derselben Nacht aus – kläglich mit 1:4 gegen Belgien.
Was bleibt, ist die Aufarbeitung. Aber mein Fazit ist hoffnungsvoller, als die Geschichte zunächst erwarten lässt: Der Fußball hat letzte Nacht gezeigt, dass sich sein Geist nicht einfach wegdiskutieren lässt. Belgien hat am Platz ganz klar gezeigt, was es von diesem Vorgehen hält. Und hätte Belgien es nicht getan – ich bin mir sicher, eine andere Mannschaft hätte diese Aufgabe wohl übernommen.

Regeln sind wichtig. Aber die Haltung, die dahintersteht, ist entscheidend.

Ein Hoch auf den Fußball!

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